Würdevolles Gedenken statt Nazi-Fackeln

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Über 50 Menschen trotzten am 4. Dezember 2019 der Kälte und gedachten auf dem Wartberg der Bombardierung der Stadt Heilbronn vor 75 Jahren. In Redebeiträgen von Erhard Jöst (Stadtrat), dem Netzwerk gegen Rechts (NgR), Alex Maier (Landtagsabgeordneter BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN Baden-Württemberg) und Niklas Anner (Vorsitzender der Jusos Heilbronn) wurde die Verbindung zwischen den deutschen Kriegsverbrechen und den Angriffen auf Heilbronn geknüpft. Es wurde unterstrichen, wie wichtig die Erinnerung an die Opfer des Angriffes ist und welchen bedeutenden Stellenwert deshalb das Gedenken an den 4. Dezember 1944 für Heilbronn hat. Alle Redner endeten mit dem Aufruf, gerade heute wachsam zu sein.

Vor genau einem Jahr hatten rund 50 Faschisten auf dem Wartberg das Gedenken für ihre rechte Propaganda missbraucht. Im Anschluss kündigten sie an, 2019 erneut eine Kundgebung abzuhalten. Zu Beginn des Abends deutete auch alles darauf hin. Ein großes Polizeiaufgebot verteilte sich über die Zufahrtsstraßen bis hin zum Kundgebungsort. Am Rande des Parkplatzes auf dem Wartberg war bereits ein eigener Bereich für die Faschisten mit Absperrband bereitgehalten. Doch es kam anders. 

Entgegen ihrer großspurigen Ankündigung haben die Nazis keine Aktion auf dem Wartberg zustande gebracht. Stattdessen konnten wir ihnen den Platz streitig machen und an der Stelle, wo im vergangenen Jahr noch Fackeln brannten und rechte Hetze verbreitet wurde, ein würdevolles Gedenken veranstalten. 

Etwa 50 Nazis aus dem Umfeld der NPD und des „Freundeskreis Ein Herz für Deutschland“ postierten sich mit ihren Fackeln ohne jegliche Außenwirkung auf einem Weg in den Weinbergen am Fuße des Wartbergs. Auch wenn die Nazis versuchen, ihrem Klientel die Aktion als Erfolg zu verkaufen – wir wissen genau: wir waren da, wo sie sein wollten. Wir konnten wie angekündigt mit einer würdevollen Gedenkkundgebung der Erinnerung an den 4. Dezember 1944 wieder einen angemessenen Rahmen geben. Das war uns wichtig und aus diesem Grund ist dieser Tag für uns erfolgreich verlaufen. 

Auch die Lokalzeitung Heilbronner Stimme erfasste unser Anliegen richtig. In einem Artikel steht:

„Im vergangenen Jahr hatte der auch vom Verfassungsschutz als rechtsextrem eingestufte Verein „Ein Herz für Deutschland“ den Wartberg für sich reklamiert. In Pforzheim missbraucht er seit Jahren die Gedenktage für seine Zwecke: Geschichte soll umgedeutet werden. Die Verantwortung Deutschlands im Zweiten Weltkrieg spielt für diese Leute keine Rolle, dafür prangern sie den „Terror“ an, den die Alliierten damals verbreitet haben. Deutschland, das Opfer.

Um solchem Treiben keinen Raum mehr zu bieten, hatte das Netzwerk gegen Rechts in diesem Jahr frühzeitig selbst eine Kundgebung auf dem Wartberg angemeldet. Resultat: Die rund 50 Anhänger des Pforzheimer Vereins mussten ihre Fackeln abseits vom Hochplateau und damit weitgehend unbemerkt von der Öffentlichkeit entzünden.“

Wir werden auch nächstes Jahr da sein. In Anbetracht der erneuten Kundgebung der Faschisten sind alle aufgefordert, am 4. Dezember 2020 auf die Straße zu gehen. Wir können das Treiben der Nazis nicht einfach geschehen lassen, auch nicht am hinterletzten Ort Heilbronns.

Nie wieder Krieg.
Nie wieder Faschismus.