Chanukkia auf der Allee zerstört

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Am Morgen des ersten Weihnachtsfeiertages bemerkte ein Passant, dass der Chanukka-Leuchter, der von der Jüdischen Gemeinde Heilbronn zum Lichterfest Mitte Dezember aufgestellt worden war, von Unbekannten beschädigt wurde.
Am etwa drei Meter hohen Leuchter auf der Allee bei der Synagogengasse wurden mehrere Lampen und die dazugehörigen Gaskartuschen heruntergeschlagen. Genau an dem Platz, an dem sich die TäterInnen an dem neunarmigen Leuchter zu schaffen machten, stand bis zur Reichspogromnacht 1938 die 1877 fertig gebaute Heilbronner Synagoge.

Die Polizei bat am 26. Dezember 2017 zunächst erfolglos um Hinweise von Zeugen und erklärte, der Staatsschutz sei eingeschaltet worden. Gegenüber der Heilbronner Stimme sagte ein Polizeisprecher zunächst, man könne sich „noch nicht abschließend äußern, ob es sich um eine politische Tat handelt oder um einen dummen Streich“. Mutmaßlich hätten die TäterInnen bei der Sachbeschädigung eine Leiter benutzt, um an die Lampen zu kommen.

VertreterInnen der Jüdischen Gemeinde zeigten sich schockiert über die mutwillige Zerstörung des Chanukka-Leuchters. „Das war eine gezielte Aktion“, sagte Avital Toren der Heilbronner Stimme. Man werde sich aber nicht verstecken und weiterhin die Gemeinde öffentlich vertreten. Auch Charlotte Knobloch, die ehemalige Präsidentin des Zentralrats der Juden, vermutete ein antisemitisches Motiv: „Sollte sich das herausstellen, so bestätigte dies erneut den Zustand, den wir seit Langem beklagen: Regelmäßig werden jüdische Einrichtungen, Synagogen und Friedhöfe geschändet, werden öffentlich zugängliche Ausstellungen und Installationen mutwillig beschädigt oder zerstört.““Aggressiver Antisemitismus“, von verbalen Anfeindungen im Internet und in der analogen Welt über Schändungen und Zerstörungen bis hin zu physischen Angriffen, sei in Deutschland „an der Tagesordnung“, sagte Knobloch.

Erst im Mai 2017 war es in Heilbronn zu weiteren antisemitischen Vorfällen gekommen. Zunächst wurden auf dem jüdischen Friedhof in Sontheim mehrere Grabsteine verwüstet. In der Nacht zum 10. Mai 2017 wurde an der Ludwigsburger Straße die Parole „Holocaust=Lüge“ gesprüht.

Presse: Pressemitteilung der Polizei Heilbronn 26. Dezember 2017 | Heilbronner Stimme 26. Dezember 2017 | Stuttgarter Zeitung 27. Dezember 2017 | Heilbronner Stimme 27. Dezember 2017 | ZEIT Online 29. Dezember 2017